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Hyperautomation? Wir schaffen das manuell!

  • Autorenbild: Philipp Futterknecht
    Philipp Futterknecht
  • 11. Okt. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

(Eine Kolumne über Prozesse, PDFs und die Angst vor dem Loslassen)



Neulich wieder dieser Moment.

Montagmorgen, Kaffee in der Hand, leicht übernächtigt.

Im Jour Fixe ruft jemand stolz: „Wir haben jetzt KI im Einsatz!“

Ich so: „Aha! Was macht sie denn?“

Er: „Sie schlägt vor, wer die Rechnungen abtippt.“

Ich hab kurz überlegt, ob ich lachen oder weinen soll.

Denn das ist ungefähr so, als würde man sagen: „Wir fahren jetzt elektrisch – aber das Kabel kurbelt noch jemand von Hand auf.“



Der deutsche Digitalisierungs-Darwinismus

Wir Deutschen haben ein ganz eigenes Verhältnis zu Technologie: Wir wollen sie – aber bitte so, dass sich nichts ändert. Alles soll effizienter werden, aber genauso aussehen wie vorher. Das ist ungefähr so, als würde man versuchen, den ICE auf Pferdegleisen zu betreiben.

In jedem Unternehmen gibt es diesen einen Prozess, bei dem man denkt: „Das kann doch unmöglich noch jemand manuell machen.“ Doch – kann. Mit Liebe, Geduld und einer Excel-Tabelle, die schon mehr Makros gesehen hat als Urlaubsanträge.



Von Digitalisierung zu Hyperautomation

Digitalisierung war die erste Stufe: Dokumente wurden zu PDFs. Dann kam Automatisierung: Aus PDFs wurden Daten. Und jetzt? Jetzt geht’s darum, dass Daten endlich denken lernen. Das ist Hyperautomation.

Nicht einfach nur Tools oder Bots, sondern Systeme, die verstehen, was passiert.

Die Fehler erkennen, Zusammenhänge herstellen, Entscheidungen vorbereiten.

Kurz: Maschinen, die weniger „Befehlsempfänger“ und mehr „Kollege mit Durchblick“ sind.

Aber das klingt für viele wie Science-Fiction –

weil sie noch damit beschäftigt sind, PDF-Rechnungen manuell in SAP zu buchen.



Warum Hyperautomation kein Luxus ist

Hyperautomation ist keine Option. Sie ist die logische Reaktion auf fünf Realitäten, die keiner gern ausspricht:

  1. Fachkräfte fehlen. Nicht, weil alle faul sind – sondern weil keiner mehr 8 Stunden am Tag copy-pasten will.

  2. Komplexität steigt. Mehr Systeme, mehr Partner, mehr Daten – aber dieselben zwei Hände.

  3. Geschwindigkeit zählt. Echtzeit ist kein Feature mehr. Sie ist der Standard.

  4. Compliance frisst Kapazität. Und wenn jeder Beleg dreimal geprüft werden muss, hilft auch kein Audit-Tee.

  5. Kosten drücken. Und nein, das Sparpotenzial steckt nicht im Büromaterial.

Hyperautomation löst genau das: Sie automatisiert dort, wo klassische Tools aufgeben.

Nicht nur Regeln, sondern Logik.

Nicht nur Aufgaben, sondern Entscheidungen.



Die Angst vorm Loslassen

Warum machen wir’s dann nicht einfach? Weil Loslassen schwer ist. Weil Kontrolle Sicherheit bedeutet – auch wenn sie ineffizient ist.

Viele Manager reden von Vertrauen in Technologie, meinen aber in Wahrheit: „Ich will alles doppelt sehen, bevor ich’s glaube.“

Ich sag’s mal so:

Wer Hyperautomation einführt, braucht mehr Mut als Budget. Denn das System wird Dinge übernehmen, die man jahrelang selbst „besser wusste“. Und das kratzt am Ego. Aber es ist auch befreiend.



Wenn Maschinen Verantwortung übernehmen


Hyperautomation heißt nicht: Maschine ersetzt Mensch. Es heißt: Maschine übernimmt Verantwortung für das, was Menschen nicht mehr sehen müssen. Routine, Kontrolle, Vergleich, Übertrag. Alles, was Zeit frisst und keine Kreativität braucht.

Und der Mensch? Der wird vom Abarbeiter zum Architekten. Vom „Muss ich noch prüfen“ zum „Wie kann ich verbessern?“.

Das ist die wahre Transformation – nicht im Code, sondern im Kopf.


Fazit: Humor hilft, Excel nicht

Ich sag’s, wie’s ist:

Hyperautomation ist kein Hype.

Sie ist die Antwort auf das Büro von gestern –

und die Voraussetzung für das Unternehmen von morgen.


Aber ja, klar: Wir können natürlich auch weiter alles manuell machen.

Mit Excel, Outlook und Durchhalteparolen.

So wie Oma ihre Buchführung mit Kugelschreiber.


Das funktioniert schon.

Bis der Wettbewerber die Kaffeemaschine hyperautomatisiert hat –

und Sie sich fragen, warum Ihre noch nach jedem Prozess eine Pause braucht.



Lustig, aber wahr:


Die Zukunft automatisiert sich nicht von selbst.

Aber sie wartet auch nicht auf den nächsten Jour Fixe.

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